Zahnschutz verringert Verletzungsgefahr um ein Vielfaches
Nicht nur Spitzensportler sollten eine Schutzvorrichtung tragen


Köln, den 31. Mai 1999 - Neue risikobehaftete Sportarten wie Rollerblading,
Skateboarding oder Mountainbiking führen dazu, daß Verletzungen beim Sport immer
mehr zunehmen. Trägt ein Sportler jedoch einen Zahnschutz, so wird das Risiko, sich im
Mundbereich zu verletzen, in etwa dreimal geringer. Hierbei zeigen die individuell
hergestellten Zahnschützer den größten Vorteil. Zu diesem Ergebnis gelangt Dr. Peter
Bemelmanns in einer Untersuchung, die er an der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik
der Universität zu Köln angefertigt hat.
Speziell im Bereich des Spitzensports wird eine zunehmende Risikobereitschaft deutlich.
Bedingt durch den Druck des Publikums, der Manager, Sponsoren und die Möglichkeit,
einen gut dotierten Profivertrag abzuschließen, sind Sportler immer häufiger bereit, ihre
Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Insbesondere Sportarten, die zwangsläufig einen
engeren Körperkontakt erfordern, bergen eine ausgesprochene Verletzungsgefahr im
Mund- und Gesichtsbereich. Zumeist ist eine aufwendige Behandlung erforderlich,
deren Kosten in einem erheblichen Mißverhältnis zu der Anzahl der Unfälle stehen.
Besonders bei Jugendlichen können Schädigungen der Zähne und des Gesichts
Wachstumsstörungen hervorrufen, die therapeutisch kaum oder nur mit großem
Aufwand zu beheben sind. Es treten sowohl Beeinträchtigungen des Aussehens als
auch Einschränkungen des Kau- und Sprechvorgangs auf. Diese Fakten, so der Kölner
Zahnmediziner, sollten das Thema Zahnschutz im Sport zunehmend ins öffentliche
Interesse stellen. Denn bis zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keinen Hinweis darauf,
welches Zahnschutzsystem den besseren Schutz bietet. Zwar werden Sportlern
zahlreiche Mundschützer angeboten, die aber in ihrer Schutzwirkung sehr
unterschiedlich und daher letztendlich von fragwürdiger Akzeptanz sind. Gerade die
Ungewißheit bezüglich Wirksamkeit, Preis und Haltbarkeit aber spielt bei
Breitensportlern und Kindern im Wechselgebißalter eine wesentliche Rolle und mindert
möglicherweise die Akzeptanz bei Sportlern und Eltern.
Dr. Bemelmanns' Untersuchung befaßt sich mit der Frage, welche tatsächliche
Wirksamkeit die auf dem deutschen Markt befindlichen Produkte aufzeigen. Eine
Fragebogenstudie, an der 300 deutsche Spitzensportler teilnahmen, ergibt, daß sich die
teure Alternative eines individuell angepaßten Mundschutzes durchaus lohnt. Die
Mehrzahl der Athleten, die Sportarten wie Karate, Boxen, Hockey, Judo, Baseball und
American-Football betreiben, haben die wenigsten Beschwerden bei einem eigens für
sie hergestellten Zahnschutz. Dieser erfordert die Abdrucknahme des Kiefers durch
einen Zahnarzt und die Herstellung im Labor. Die preisgünstigere Variante aus dem
Sportartikelhandel ist nicht zu empfehlen, da ein konfektionierter Mundschutz keinen
Halt an Zähnen und Gaumen bietet.
Werden die individuell angefertigten mit den in der Fabrik hergestellten Mundschützern
verglichen, so wird die erste Variante von den Athleten bevorzugt. Hier tauchen die
wenigsten Probleme auf. Laut Dr. Bemelmanns reagieren insbesondere Spitzensportler

sensibel auf Zahnschützer, da sich beispielsweise die Schwierigkeit der Verständigung
während des Spiels ergibt. Zudem kann ein Mundschutz die Atmung einschränken.
Auch kann er den Sportler daran hindern, sich auf das Spiel zu konzentrieren, indem er
Druckschmerz verursacht oder locker sitzt.
Die Studie belegt, daß die Verletzungshäufigkeit ohne Mundschutz wesentlich erhöht
wird. So kommt es beispielsweise mit Zahnschutz zu keinem Frontzahnverlust. Der vom
Kölner Zahnmediziner selbst durchgeführte wissenschaftliche Versuch bestätigt das
Ergebnis der Studie. Aus diesen Untersuchungen geht hervor, daß ein Zahn bei einer
frontalen Krafteinwirkung ohne Zahnschutz zerbricht. Messungen unter gleichen
Bedingungen zeigen, daß jedoch ein geschützter Zahn nicht beschädigt wird. Der
Mundschutz erzielt seine Wirkung durch eine Dämpfung der auftretenden Kraft und
Druckverteilung auf die umliegenden Gewebe und Nachbarzähne. Somit findet eine
Verminderung der Kraft statt. Zudem beweist der Versuch, daß diejenigen individuell
angefertigten Mundschützer am besten abschneiden, die eine harte Einlage besitzen.
Bei einer weicheren Beschaffenheit der Einlage, wie Silikon, ist der Mundschutz nicht in
der Lage, die auftretenden Kräfte ausreichend vom Zahn fortzuleiten. Der Zahn wird
immer noch mit großer Wucht getroffen, was bei Risikosportarten zu großen
Verletzungen führen kann.
Laut Dr. Bemelmanns entnehmen die wenigsten Leistungssportler ihre Information den
Medien oder erhalten Aufklärung durch ihren Zahnarzt. Mehr als die Hälfte aller Athleten
werden durch ihren Trainer, vom Verband oder von Sportskameraden auf das Tragen
einer Schutzvorrichtung hingewiesen. Jedoch ist eben nicht jeder Sportler durch seinen
Verband dazu verpflichtet, einen Zahnschutz zu benutzen. Folglich ist eine Aufklärung
der Sportler, so der Kölner Zahnmediziner, erforderlich. Im Rahmen einer wirksamen
Vorbeugung von Verletzungen müssen jedoch nicht nur Sportler, Eltern, Trainer,
Funktionäre und Zahnärzte für diese Thematik sensibilisiert werden, sondern ebenso
Krankenversicherer und Gesetzgeber.
Für Rückfragen steht Ihnen Prof. Dr. P. Pfeiffer unter der Telefonnummer 0221/4784717,
der Fax-Nummer 0221/4786722 und der Email-Adresse peter.pfeiffer@uni-koeln.de zur
Verfügung.
Verantwortlich: Franca Blankenburg